Die Stadt Herrnhut hat gemeinsam mit ihren Ortsteilen die Kommunale Wärmeplanung erfolgreich abgeschlossen. Mit dem vorliegenden Abschlussbericht liegt nun erstmals ein umfassendes Konzept vor, das die zukünftige Wärmeversorgung im gesamten Stadtgebiet strategisch beschreibt und langfristige Orientierung für Verwaltung, Bürgerinnen und Bürger sowie lokale Unternehmen bietet.
Was der Wärmeplan beinhaltet
Der Wärmeplan zeigt Wege auf, wie Herrnhut schrittweise unabhängig von fossilen Energieträgern werden kann. Dafür wurde der aktuelle Wärmebedarf im Stadtgebiet sowie in allen 13 Ortsteilen
detailliert analysiert. Auf dieser Grundlage wurden die Bereiche identifiziert, in denen verschiedene Formen der Wärmeversorgung sinnvoll und wirtschaftlich tragfähig sind.
Für weite Teile Herrnhuts wird eine dezentrale Wärmeversorgung auf Gebäudeebene auch künftig als beste Option eingeschätzt. Gleichzeitig gibt es mehrere Bereiche, in denen der Aufbau oder Ausbau erneuerbarer Wärmenetze empfohlen wird.
Fokusgebiete mit besonderem Potenzial
Drei Gebiete wurden als besonders aussichtsreich bewertet:
Berthelsdorf: Das bestehende Wärmenetz auf Basis von Abwärme aus der Biogasanlage der BALANCE GmbH bietet Potenzial für eine Erweiterung um etwa 100 potenzielle Anschlussnehmerinnen und -nehmer.
Neundorf a. d. Eigen: Die Mischung aus Wohnbebauung und mehreren wärmeintensiven Unternehmen ermöglicht die Entwicklung eines gemeinschaftlich organisierten Nahwärmenetzes – auch durch eine mögliche Bürgergemeinschaft.
Gewerbegebiet Herrnhut: Aufgrund hoher Wärmeliniendichten eignet sich das Gebiet für ein kompaktes Wärmenetz, das einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasemissionen leisten kann.
Ob und wie solche Wärmenetze realisiert werden können, muss im nächsten Schritt durch vertiefende Machbarkeitsstudien, weitere Beteiligungsprozesse und die Klärung technischer sowie wirtschaftlicher Rahmenbedingungen geprüft werden.
Hintergrund zur Energieinfrastruktur
Der Verteilnetzbetreiber SachsenNetze bewertet das vorhandene Gasnetz grundsätzlich als wasserstofftauglich. Im Zielszenario des Wärmeplans für das Jahr 2045 wurde eine mögliche zukünftige Umstellung von Erdgas auf Wasserstoff berücksichtigt. Solche Entwicklungen hängen jedoch von der bundesweiten Preis- und Versorgungssituation sowie vom rechtlichen Rahmen ab.
Orientierung – kein Handlungszwang für Privathaushalte
Die Kommunale Wärmeplanung verpflichtet ausschließlich die Kommune. Für private Eigentümerinnen und Eigentümer ergeben sich keine direkten Verpflichtungen. Bestehende Heizungen dürfen wie gewohnt weiterbetrieben werden. Der Wärmeplan dient vor allem als Entscheidungshilfe für zukünftige Investitionen und kommunale Weichenstellungen.
So wurde der Wärmeplan erarbeitet
Von Februar 2025 bis März 2026 wurde der Plan in enger Zusammenarbeit zwischen der Stadt Herrnhut und der SachsenEnergie erarbeitet. Die Analyse wurde im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert. Neben der Verwaltung wurden je nach Themenstellung auch lokale Akteure sowie politische Gremien eingebunden. Zudem wurde die Öffentlichkeit während des gesamten Prozesses transparent informiert.
Wie es weitergeht
Der Abschlussbericht wird nun dem Stadtrat zur Beratung vorgelegt. Nach einem Beschluss dient er als verbindliche Grundlage für künftige Entscheidungen im Bereich der Wärmeversorgung. Die Stadt prüft anschließend, welche Maßnahmen auf Basis der Ergebnisse vertieft werden sollen – darunter potenzielle Machbarkeitsstudien, Gespräche mit Umsetzungspartnern oder weitere Informationsangebote für die Bevölkerung.
Der vollständige Bericht wird auf der Website der Stadt Herrnhut veröffentlicht. Entsprechend der gesetzlichen Vorgaben wird die Wärmeplanung spätestens alle fünf Jahre überprüft und fortgeschrieben.
