Eine Spurensuche in Nordamerika.
Neue Sonderausstellung im Heimatmuseum der Stadt Herrnhut
Das Thema USA war schon lange nicht mehr so präsent wie derzeit. Manchmal sind die Berichte feierlich, schließlich begeht das Land seinen 250. Jahrestag der Unabhängigkeit. Manchmal sind sie unerwartet, denn die DFB-Nationalmannschaft wird zur Fußball-WM ausgerechnet in Winston-Salem Quartier nehmen - ein Ort, der auf eine Gründung der Herrnhuter in der Mitte des 18. Jahrhunderts zurückgeht. Schließlich sind auch die Innen- und Außenpolitik der USA regelmäßig diskutierte Themen.
Die neue Sonderausstellung geht vor allem einer Frage nach: »Was haben die USA und ihre Geschichte mit uns in Deutschland und speziell mit der Herrnhuter Brüdergemeine zu tun?«
Und das ist durchaus mehr, als man vielleicht denkt. Denn tatsächlich hat diese kleine Kirche, die sich damals in Europa selbst noch in der Entwicklung befand, in Nordamerika deutliche Spuren hinterlassen. Dies gilt insbesondere für die Zeit vor der Gründung der USA im Jahr 1776, weshalb ein Schwerpunkt der Ausstellung auf dieser Epoche liegen wird. Neben dem geistlich-missionarischen Wirken wird deshalb auch der Wissens- und Technologietransfer betrachtet, der damals von Europa, Deutschland und Herrnhut in die »Neue Welt« nach Nordamerika erfolgte.
Selbstverständlich kann eine solche Ausstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Vielmehr werden vor allem Biografien und Geschehnisse beispielhaft beleuchtet, die stellvertretend für das Große und Ganze stehen können.
Neben den bekannteren Namen wie Zinzendorf, Spangenberg und Zeisberger werden auch weniger bekannte Persönlichkeiten der »Moravian Church« vorgestellt, die ebenso spannende Lebens- und Wirkungsgeschichten aufweisen. Dabei geht es zum Beispiel um den Gitarrenbauer Christian Friedrich Martin, den Pilzkundler Lewis David von Schweinitz oder den Architekten Benjamin Latrobe. Viele kennen sicher noch »Chingachgook, die große Schlange«, den wohl populärsten DDR-Indianerfilm. Weniger bekannt ist, daß die Figur des Chingachgook einen realen Hintergrund hat. Tatsächlich hieß dieser Mohikaner »Tschop« und wurde 1742 von den Herrnhutern getauft. Auch seine Geschichte wird hier erzählt.
Der letzte Abschnitt der Ausstellung schließlich stellt die im Jahr 1741 gegründete Siedlung Bethlehem in Pennsylvania vor. Denn seit 2024 sind Herrnhut und Bethlehem – zusammen mit Christiansfeld und Gracehill – durch den gemeinsamen Welterbetitel neu verbunden. Die historischen Hintergründe dieser Verbindung zu erhellen, ist ebenfalls ein Anliegen der Ausstellung, die noch bis zum 25. Oktober 2026 zu sehen ist.
Konrad Fischer
Heimatmuseum der Stadt Herrnhut
»Go West! Die Herrnhuter in der neuen Welt«
Eine Spurensuche in Nordamerika vom 10.5. bis 25.10.2026
Besucheradresse:
Heimatmuseum der Stadt Herrnhut
Comeniusstraße 6 | 02747 Herrnhut
Telefon: 035873 30 733
E-Mail: tourismus@herrnhut.de
Öffnungszeiten:
Mo: geschlossen
Di - Fr: 9 – 17 Uhr
Sa – So: 10 – 12 und 13 – 17 Uhr